Vorstellung der Kirche

Am 28. Mai 1874 wurde der Grundstein für die St. Johanniskirche Leopoldshall gelegt. In der Urkunde, welche mit dem Grundstein eingesenkt wurde steht u.a.:
„Die Ortschaft Leopoldshall ist erst in neuester Zeit entstanden; der Bürgermeister Hase aus Wahrenbrück legte in den Jahren 1855 und 56 auf der sogenannten Ritterflur bei Staßfurt eine Saline an, die den Namen Leopoldshall erhielt…Im Jahre 1866 zählte Leopoldshall schon 8 chemische Fabriken. Bei der Volkszählung 1864 hatte Leopoldshall 152 Einwohner, 1867 bereits 642 und 1874 ca. 1.800 Einwohner. Diese rapide Zunahme der Bevölkerung machte die Erbauung einer Kirche und Pfarre zu Leopoldshall notwendig.“

So begann also 1874 der Bau der Leopoldshaller Kirche. Die Baukosten wurden mit 37.836 Reichstalern, 18 Groschen und 10 Pfennigen veranschlagt. Die Kosten wurden wie folgt aufgeteilt: 2/3 der Fiskus, 1/3 die Gemeinde Leopoldshall.
Am 07.04.1874 wurde der erste Spatenstich zur Erbauung der Kirche getan.
Die Kirche wurde im romanischen/neuromanischen Stil und in Kreuzform erbaut und sollte bereits im Oktober 1875 bei Berufung des Pastors Schneppel fertig sein, konnte jedoch erst Anfang 1876 vollendet werden. (Bauzeit 1 Jahr und 9 Monate- würde man das heute schaffen?) Die Einweihung fand am 06. Februar 1876 statt.
Laut den Aufzeichnungen der Chronik ist der Kirchturm 40,5 m (incl. Kreuz) hoch, die Kirche ca. 34 m lang und 11 m breit. Der Innenraum ist 11 m hoch. Und!: Die Kirche hatte eine für damalige Verhältnisse modere Gasheizung.
Die Firma Freihold aus Aderstedt fertigte den Altar, der Taufstein stammt vom Unternehmen Kielhorn und die Kanzel von der Firma Hartung aus Bernburg. Die fünf Fenster im Altarraum mit Glasmalerei stellen Jeus und die vier Evangelisten dar und wurden von der Glasmalerei Oidtmann in Lünnich (Rheinland) gefertigt. Die Glaswerkstatt Schneemelcher aus Quedlinburg restaurierte in jüngster Zeit drei der Fenster und fertigte Repliken der zwei zerstörten Bleiglasfenster an.
Die Orgel, gebaut von Orgelbaumeister Nickol aus Dessau, wurde am 3. September 1876 geweiht. Trotz langanhaltender Recherchen haben wir bis jetzt keine weitere Orgel dieses Orgelbauers finden können. Sie hat 2 Manuale und 1 Pedal, 23 klingende Register und ca. 1450 Orgelpfeifen. In den Jahren 1962-1963 wurde sie von der Orgelbaufirma Kühn aus Merseburg und im Jahr 2000 durch die Orgelbaufirma Kapischke & Friedrich aus Bernburg umfassend saniert.
Die zu den Gottesdiensten sowie zum Mittags- und Abendgeläut zu hörenden Glocken,  eine Betglocke, eine Stadtglocke und eine Taufglocke, wurden am 09.01.1919 geweiht. Sie wurden  von der Fa. Schilling – Apolda in Gussstahl gegossenen.

Mit den Jahren wurden Veränderungen in der Kirche vorgenommen. So wurden 1960 die Bänke im vorderen Bereich der Kirche entfernt, der Taufstein von der Mitte auf Südseite versetzt, die Verkleidung der Kanzel entfernt und die Kirche weiß ausgemalt.
Während der DDR-Zeit wurden durch Vandalismus leider die Buntglasfenster beschädigt, Eingangstüren zerstört und Orgelpfeifen gestohlen.
Nach der Wende konnten mit Hilfe von Fördermitteln von Bund, Land und Landeskirche umfangreiche Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Neben der Dachsanierung im Jahr 1993 wurden in den Folgejahren die Buntglasfenster saniert  und im Jahr 2000 die Innenrenovierung abgeschlossen. Dabei kamen die Ornamentbemalungen der Wände sowie die wunderbare Bemalung des Altars wieder zum Vorschein.
Der durch die ganzheitliche Ausstattung geprägte Raumeindruck verleiht der Kirche eine besondere Atmosphäre und eine wunderbare Akustik. Ein ehemaliger Dirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie hat es, finde ich, gut in Worte gefasst, als er das erste Mal die Kirche betrat und an der letzten Bank verharrte: „Hier ist es wie Nach-Hause-kommen.“
Neben Gottesdiensten finden regelmäßig Konzerte und Veranstaltungen mit den Musikgruppen der Kirchengemeinde statt. Auch Orgelführungen, Turmbesteigungen, Kirchenkino und erlebnispädagogische Angebote haben ihren festen Platz.
Im nächsten Jahr feiern wir vom 12. – 14.06. das 150-jährige Kirchenjubiläum mit Vorträgen, Konzerten und natürlich einem Festgottesdienst. Dazu laden wir schon jetzt ganz herzlich ein. Feiern Sie mit uns- kommen Sie gern in unsere Kirche – zu den Gottesdiensten und sonstigen Veranstaltungen oder auch zum Besichtigen oder einer Turmbesteigung – für Letzteres wäre eine Voranmeldung hilfreich.